Südgeorgien - Eisberge und Pinguine - 5

king penguin - Gold Harbour - South Georgia
 

  1. Einleitung

  2. Galerie

  3. Anreise

  4. Der erste Seetag

  5. Die Falklandinseln

  6. Auf dem Weg nach Südgeorgien

  7. Südgeorgien

  8. Auf dem Weg in die Antarktis

  9. Elephant Island

  10. „Der Kapitän spielt mit dem Eis“

  11. Deception Island

  12. Antarktische Halbinsel

  13. von der Antarktis an die Pazifikküste Südamerikas

  14. Patagonische Gletscherwelt

  15. Der lange Weg zurück

  16. Fazit und hilfreiche Tipps


04-05.02.2026 - Südgeorgien

Fünf Uhr morgens und der Wecker klingelt. Wir nähern uns Salisbury Plains. Die Reihenfolge der Landgänge wird nach einem ausgeklügelten System jeden Tag geändert. Heute bin ich in der allerersten Gruppe und darf schon um 6 Uhr das Zodiac besteigen.

Gestern Abend habe ich mir noch ein Stück Brot, Käse und Wurst vom Buffet geholt. Eine Kaffeemaschine gibt es ohnehin in jeder Kabine. Theoretisch könnte ich mir auch ein Frühstück über den Zimmerservice kommen lassen, aber das ist mir dann doch zu viel Heckmeck. Der kleine Snack muss reichen und Frühstück gibt’s dann nach der Rückkehr.

Das Wetter ist grau in grau, mal regnet es mehr, mal weniger. Schon an der Landestelle, noch weit weg von der eigentlichen Kolonie, gibt es so viele Tiere, dass es unmöglich ist die 5 Meter Abstand zu halten. Vor allem weil die Tiere neugierig sind und schauen wollen was denn die großen schwarzen Dinger sind, die sich dem Strand nähern.

Hier leben Hunderttausende Königspinguine [], dazu kommen Robben, Skuas [] und andere Vögel. Die Kolonie zieht sich von der Küste bis hoch in die Berge. Mit Worten ist dies kaum zu beschreiben. Selbst die Fotos geben das Gesehene nur ansatzweise wieder.

Der Mensch wird nicht als Feind wahrgenommen. Die Vögel finden die Markierungsstangen mit den orangenen Wimpeln ganz toll und die kleinen Robben würden am liebsten ihr Mütchen an den Gästen testen. Eine kommt auch auf mich zu, aber als ich mich groß mache und mit tiefer Stimme „was willst Du denn“ sage, dreht sie schnell wieder ab. Da müssen doch alle Umstehenden lachen.

Viele Tiere stehen einfach nur in der Gegend rum. Teilweise sehen sie recht zerzaust aus, da sie in der Mauser sind. Teilweise sind es aber auch Spätbrüter (Königspinguine bekommen zweimal in 3 Jahren Junge) und die Weibchen schlagen sich mit den Flügeln, um das daneben stehende Männchen zu beeindrucken. Es können aber auch Jungtiere sein, die zwar noch nicht geschlechtsreif sind, aber schon mal üben. Selbst säugende Robben kann ich beobachten.

 

Leider sehen wir auch einige Kadaver. Die Vogelgrippe [] ist zwar längst nicht mehr so schlimm wie vor einigen Jahren, als Anlandungen komplett untersagt wurden, aber ausgerottet ist sie nicht. Interessanter Weise trifft sie vor allem die Robben. Die Königspinguine sind weniger betroffen.

 

Nach 90 Minuten geht es zurück aufs Schiff, auch wenn man den Tieren den ganzen Tag zuschauen könnte. Es kontrolliert zwar keiner ob man die Zeit einhält, aber die Gäste scheinen sich ganz gut an die Vorgabe zu halten. Muss man auch, denn durch die Beschränkung der Besucherzahl können nur dann neue Gäste an Land wenn die alten wieder an Bord sind.

 

Zurück auf dem Schiff gehe ich erst mal frühstücken und mache mich dann ans Aussortieren der Fotos. Am späten Vormittag geht es weiter nach Grytviken [], der Hauptstadt von Südgeorgien. Diese erreichen wir gegen 15 Uhr. Zwischenzeitlich kommt sogar die Sonne hervor. Dafür frischt der Wind auf.

Als ich kurz vor der Ankunft zum Inspiration Walk gehe, um ein paar Fotos vom Ort aus der Ferne zu machen, zeigt das Thermometer auf der Brücke 8,7 Grad, aber der Wind ist so eisig, dass ich schnell die Kapuze des gefütterten Parkas überziehe. Kann gut sein, dass ich heute zum ersten Mal die Handschuhe anziehe.

Gerade kommt auch die Ansage, dass man erst mal einen Test-Zodiac rausschickt, um zu sehen ob der böige Wind eine Landung überhaupt zulässt.

 

In Grytviken befindet sich die Verwaltung von Südgeorgien, die alle Schiffe inspiziert und freigibt. Dies beinhaltet eine Menge Papierkram, aber auch die Inspektion der Rattenfallen, die das Schiff mitführt. Auch die Passagiere werden stichprobenartig überprüft. Dass wir bereits heute Morgen Salisbury Plains besuchen durften, verdanken wir den guten Ergebnissen der Vergangenheit. Diese (und vielleicht auch das Wetter) führen nun sogar dazu, dass die Behörden ihren Besuch an Bord ganz absagen.

 

Ein paar Minuten später dann die Durchsage „wir probieren es mal“. Also rein in die Klamotten und nach Aufruf des Farbcodes runter in den Stiefelraum und zu den Zodiacs.

Wie schon heute Morgen bin ich im ersten Boot der ersten Gruppe. Wie angekündigt werden wir ordentlich nass, aber dafür haben wir ja auch entsprechende Kleidung an. Kaum an Land kommt per Funk die Nachricht, dass der Kapitän kurz davor ist die Landung abzubrechen. Dazu wird es aber nicht kommen.

 

Grytviken ist eine alte Walfangstation in der bis in die 1960er Jahren aus den getöteten Tieren Walöl gewonnen wurde. Verwendet wurde das Öl vor allem für Margarine, aber auch Kosmetik. Eigentlich alles wofür heute Palmöl genutzt wird. Minderwertiges Öl wurde dann als Schmiermittel verwendet. Es gibt noch eine Reihe anderer Stationen auf Südgeorgien und in der Antarktis, aber Grytviken ist die einzige in der man die asbestverseuchten Gebäude entsorgt hat. Somit kann man sich hier frei bewegen. Die alten Maschinen und Kessel stehen heute im Freien.

Neben den Ruinen und natürlich auch den Pinguinen und Robben gibt es auch ein kleines Museum, ein Postamt, eine Kirche und den Friedhof auf dem der Entdecker Ernest Henry Shackleton [] begraben liegt. Die dramatische Geschichte um ihn und seine Expeditionen werde ich hier nicht wiederholen. Die findet sich zur Genüge im Internet []. Ein Mitarbeiter der IAATO gibt uns noch eine kleine Führung und erzählt wie es früher hier zuging.

 

Ich bin ca. 1,5 Stunden im Ort. Man hätte auch noch länger bleiben können, aber ich habe für heute Abend eine Reservierung im Spezialitätenrestaurant NIKKEI. Auch dieses ist im Reisepreis inkludiert. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen muss man allerdings reservieren. Ich habe direkt nach der Einschiffung zwei Termine geblockt. Der erste ist nun also heute.

Auf jedem der HANSEATIC Schiffe hat das Spezialitätenrestaurant einen anderen Schwerpunkt. Das NIKKEI serviert japanisch-peruanische Küche. Lecker wie eigentlich jeden Abend, aber mit einer Geschmacksnote, die mir bisher weder in Deutschland noch in Asien untergekommen ist.

 

Am nächsten Morgen weckt mich die Sonne schon vor 5 Uhr. Da ich gestern in der ersten Gruppe war, bin ich heute in der letzten. Also reichlich Zeit sich noch mal rumzudrehen. Ein kurzer Blick aus dem Fenster verrät mir aber, dass es recht windig ist und es entsprechend auch eine ordentliche Dünung gibt. Mal sehen ob wir heute überhaupt vom Schiff können.

 

Irgendwann stehe ich dann doch auf und bevor ich zum Frühstück gehe, will ich noch schnell ein paar Fotos von Gold Harbour, das wir mittlerweile erreicht haben, machen. Die Wellen sind in dieser geschützten Bucht nicht mehr so hoch und das Landungsteam hat sich aufgemacht, um den Strand zu begutachten und sich dort einzurichten. Was immer noch stark ist, ist der Wind. Sowohl der Inspiration Walk, wie auch das Promenadendeck sind gesperrt. Nur aufs mit Glas umrandete Pooldeck und nach hinten aufs Heck darf man. Mache ich meine Fotos halt von dort.

 

Für heute Morgen ist eine Kombination aus Zodiac Cruise und Landgang geplant. Aufgrund des Windes heißt es sich gut einpacken. Auch Sonnenschutz ist angesagt. Wir werden sogar per Durchsage noch mal daran erinnert.

 

Die Vorstellung während der Cruise mit den Kameras zu fotografieren wird mir schon beim Einstieg genommen: Es könnte recht nass werden. Mal sehen wie das heute Nachmittag wird. Auch dort soll zumindest die Fahrt bis in die Bucht feucht sein.

Wir fahren eine ganze Zeit langsam am Strand entlang und gehen dann an der vorbereiteten Stelle an Land. Von hier führt ein markierter Weg zur Kolonie mit Königspinguinen. An einigen Seeelefanten werden wir in Gruppen vorbeigeführt. Die Kolonie ist auch heute wieder riesig. Gefühlt kommen wir heute auch näher heran. Man könnte stundenlang hier stehen und den Tieren zusehen. Wir haben aber nur noch eine Dreiviertelstunde, dann geht es zurück an Bord.

 

Während des Mittagessens kommt die Ansage des Kapitäns, dass Wale gesichtet wurden. Während beim ersten Mal noch alle aufgesprungen und nach draußen gestürmt sind, wissen wir mittlerweile, dass es noch einen Moment dauern wird bis wir nah genug sind, um etwas zu sehen. Auch ich trinke erst noch meinen Kaffee aus und hole mir dann den Parka und Kamera aus der Kabine. Diesmal sind es Buckelwale [] und deutlich näher als die beiden Male zuvor. Der Kapitän hat sogar Probleme Abstand zu halten, da die Tiere sich wohl das Schiff mal näher ansehen wollen. Die Buckelwale sind ohnehin aktiver als die Seiwale und so bekommen wir mehrfach die Schwanzflosse zu sehen. Einer springt auch mal aus dem Wasser, aber natürlich als ich die Kamera auf ein anderes Tier gerichtet hatte. Immerhin habe ich es gesehen. Neben den Walen tummeln sich auch Pinguine und Robben im Wasser. Irgendwann habe ich kalte Füße und sehe zu, dass ich ins Warme komme.

 

Das Schiff bleibt noch einige Zeit vor Ort und macht sich dann auf nach Cooper Bay. Hier werden wir nicht an Land gehen, sondern mit dem Zodiac eine Stunde lang die Küste entlang tuckern. Nach den letzten Erfahrungen nehme ich Handschuhe und Ohrenschützer mit. Die ziehe ich aber spätestens nach 5 Minuten wieder aus.

Die Cruise ist nicht spektakulär, aber eine nette, entspannte Art die Landschaft und natürlich wieder Pinguine zu sehen. Zodiac zu fahren macht einfach Spaß.

 

Zurück an Bord gibt es dann noch eine Überraschung. Der Kapitän lässt verlauten, dass wir in den Drygalski-Fjord fahren werden. Dies war so nicht im Programm vermerkt. Wahrscheinlich hängt das stark vom Wetter ab. Im Moment scheint weitgehend die Sonne. Es weht zwar ein kalter Wind, aber die Wellen halten sich in Grenzen.

Diesmal ziehe ich mich dicker an und bleibe an einem etwas windgeschützten Ort. So eine knappe Stunde bleibe ich draußen, bis es mich wieder in die Kabine und anschließend ins Restaurant zieht.

 



Next
Next

Auf dem Weg nach Südgeorgien - Eisberge und Pinguine - 4